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Label- & DJ-Portrait
Chi Recordings, Budapest

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abv empfiehlt:
chi recordings cd-release "crash & carry" am 18.4.03 im Bastard, Berlin

mit naga und fine cut bodies aus budapest, ed 2000 (dangerous drums), tricky d. und mr sufferah
text: kiesl


"breaks could be everything you want"
Chi Recordings, DJ Naga und die Szene in Budapest

Teil 1:

Naga - viel habe ich mir vorgestellt in einen Jahr des Herantastens an die ungarische Szene. Namen, Tonträger, Sziget-Festival, Flyer. Naga bekam schon im ersten Teil des Prozesses seinen Platz. Er war bis dahin virtuell, als Name aber omnipräsent. Vom ersten Moment an weckte dieses Pseudonym Interesse. Im Sommer 2001 hörte ich ein Stück auf dem Soundtrack zu dem ungarischen Film "Moskvá Tér" (dt. "Moskauer Platz"), noch heute mein Lieblings-Naga-Stück. Ansonsten war Naga für mich DJ in Budapest, aber der wichtigste und stilprägendste.

Im Dezember 2001 hörte ich erstmals von Chi Recordings, dem Breakbeat-, Dub-, Psychedelic-Elektro- und Sonstwassound-Label von Naga.

Chi Recordings soll der Kontext des folgenden Artikels sein, aber bedingt durch die Vorgeschichte führt kein Weg an einer Personifizierung der Sache vorbei.

Getroffen habe ich Naga - studierter Kulturwissenschaftler/ Anthropologe, Budapester Dj, Musiker und Labelbetreiber - erstmals im August 2002 durch Zufall im Trancewave Recordstore in der Revaly utca direkt gegenüber der Basilika: Ein kleiner, schmächtiger Typ mit einem verdammt netten, interessierten Gesicht schwarzen Haare und tiefsitzenden, orientierungssuchenden Augen. Er kam gerade aus dem Studio, in Begleitung von Kevin, der im Folgenden als drittes Chi-Mitglied Fine Cut Bodies (FCB) auftreten wird.

"Mathias, den ganzen Tag im Studio, ich bin völlig breit", gab mir Naga entschuldigend zu verstehen,- eben orientierungslos - immer noch den richtigen Sound, Sequenzen im Raum des engen Trancewave suchend. Am Folgetag trafen wir uns dann für einen ganzen Nachmittag. Erst im Café Edermann am Goethe-Institut, dann wanderten wir durch die Straßen und schließlich landeten wir in einem Hinterhof, der plötzlich wie eine andere Welt aus einer vergangenen Zeit in diesem teuflischen, fahrradunfreundlichen Budapest war. Der Hinterhof inmitten eines zweietagigen Vierflügel-Gebäudes mit Balkonrundgang - vermittelte mir die Stimmung, in einem mitteleuropäischen Fürstenhof vor 400 Jahren zu sein. Sommerabend, der Hof ein großes Café, voller Leute, junge Leute, keine Touristen und eine angenehme Atmosphäre - angenehm mitten im staubig-hitzig lautem Budapest.

Hier fand gerade ein Treffen von "Tilos Radio" statt: das "verbotene Radio" hatte seine Frequenzen verloren zu Zeiten der Fidesz-Regierung, teils selbstverschuldet. Jetzt hat es wieder eine Frequenz in Budapest und ist ansonsten im Internet zu hören. Trotz alledem ist Tilos weiterhin ein wichtiges Netzwerk, "basisdemokratisch geleitet": keiner weiß, wer überhaupt was zu sagen hat. Neben einigen anderen wichtigen ecclectic Djs (Palotai, Titusz, Mango, Keyser & Shuriken), die über den natürlich auch in Ungarn obligatorischen Techno und Trance hinausgehen, verbindet auch Naga viel mit dem Sender. Auf der Homepage und im Programm finden sich regelmäßig aktuelle Naga-Mixe. Für Naga und die Szene ist Tilos ein wichtiges Kommunikationsorgan. Aber sie alle sind die 90er-Szene Budapests, die Verständnis sucht, Leute erreichen will, Stilgrenzen übertritt. Es geht nicht einfach nur um ihr Ding. Genau so ein Typ ist Naga und genau das trifft auch auf Chi Recordings zu.

Der Balázs (Naga) fängt gleich selbst an zu erzählen und deswegen hier erst mal die Fakten: "Naga" ist eine Schlange in der indischen Kultur, ausgehend von einem welterklärenden Konzept. In diesem tauchen die Shiva-Krieger auf, deren Symbol die Naga-Schlange ist. Das Konzept bezeichnet die zeitliche Entwicklung einer/unserer Kultur. Die Ursprünge von allem liegen demnach in einer naturellen, echten spirituellen Gesellschaft. Im Laufe der weiteren Entwicklung entfernten sich die folgenden Gesellschaften aber immer weiter davon. Das geschah in verschiedenen Perioden. Doch es gibt die Verteidiger der ursprünglichen Kultur. Dies ist die Aufgabe der Shiva-Krieger. Sie sind immer da.

"Ist es nicht interessant, sich darunter Chi vorzustellen?!" gesteht Balázs lachend.

Und es gibt noch eine weitere Story: "Eines Morgens, ich wohnte damals noch in den Bergen auf der Budaer Seite, fand ich eine Schlange auf meinem Mixer. Ich war aufgeregt und wollte es unbedingt meiner Freundin zeigen, aber als sie kam, war die Schlange schon weg" - zisch, durch das offene Fenster! Reptilien sind auf der Budaer Seite keine Seltenheit. - Ist Budapest nicht wunderbar?

Die Art, wie Naga von seiner Entwicklung berichtet, hinterlässt bei mir den Eindruck, dass am Anfang von allem die Faszination stand (ähnlich wie bei einem kleinen Jungen gegenüber dem unbekannten, schillernden "Muss ich auch haben"-Gegenstand). Die Voraussetzungen waren gut. Irgendwann, begann er in die Jazz-Plattensammlung seines Vaters hinein zu hören. Dann kam er mit Leuten aus dem Clubleben zusammen und wollte unbedingt auch Teil davon sein. Schließlich musste er selbst Musik machen können. Eigentlich war er Dj, arbeitete im Plattenladen, alles war ok. Aber da gab es diese Typen, die drei Häuser weiter ihr Studio hatten, Musik machten, und er stand im Recordstore rum. Er wollte selbst Musik machen und fand mit Amb aka Déak Ambrus einen perfekten Partner. Der hatte als ausgebildeter Drummer schon Erfahrung mit Instrumenten und Aufnahmegeräten.
Dass Naga trotz aller Faszination die Dinge sehr genau angeht, zeigte sich dadurch, dass es ihm im Studio am Anfang vor allem um die Skills an den Instrumenten ging. Das war 1998 und damit sind wir beim Label Chi Recordings. Denn auch hier herrscht wohltuender Perfektionismus vor, zumindest was das Programm angeht. Die bisherigen Veröffentlichungen auf Chi sind jeweils Teil eines Gesamtwerkes, dass nicht nur damit beschrieben werden kann: Wir veröffentlichen einfach unsere aktuellen Produktionen. Ausgehend von den Bedingungen für ein Indie-Label in Mittel- und Osteuropa ist das nicht zu unterschätzen. Von Anfang an gab es wesentliche Facetten, die Naga aus drei Bausteinen zum Label Chi zusammensetzte - dazu mehr im Folgenden.

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kontakt :
Fodor Attila - Chi-Recordings
1013 - Budapest, Attila u.2. IV./9.
Hungary

Kontakt chi recordings (ungarisch)
http://www.chi-recordings.com/magyar/elerhetoseg.htm

links :
Subscope Records
http://www.subscope.com
... Partner von chi recordings. Budapester Jungle-Label, komplettes Musikmaterial als mp3 & realaudio im Netz zu hören!

TILOS RÁDIÓ
http://tilos.hu/
... das "Verbotene Radio", ein Netzwerk der Budapester Undergroundszene. Hier findet ihr aktuelle Partydates Budapests und ihr könnt Radio hören - aktuelle Sendungen und Archivmaterial - und Mixe von alle relevanten ungarischen Djs hören - Naga, Palotai, Titusz, Mango (im ogg-Format)

breakbeat portal aus ungarn
http://www.breakbeat.hu/

Dangerous Drums, Berlin
http://www.dangerous-drums.de/index2.html

discografie :


CHI006 Amb - Drip
CHI005 DJ Naga - Fraid
CHI004 V/A - Crash&Carry Sampler vol.2
CHI003 V/A - Crash&Carry Sampler vol.1
CHI002 V/A - Dub Local Remixes vol.2
CHI001 V/A - Dub Local Remixes vol.1

COC005 V/A - Cup Of Chi vol.5

MFRPBB005 V/A - Cup Of Chi vol.4
MFRPBB004 V/A - Cup Of Chi vol.3
MFRPBB003 V/A - Cup Of Chi vol.2
MFRPBB002 V/A - Cup Of Chi vol.1
MFRPBB001 Naga and Amb - Bulbman Goes Far In / Malacka