Frauenliteratur, Gender-Poesie, Ridikülliteratur: Es sind Synonyme für eine „Gattung“ zeitgenössischer Literatur, in der das Thema »Frau« als performative Akteurin in den Mittelpunkt gestellt wird. Zwei Hauptproblemen wirft diese Art von Literatur auf: Erstens sind Frauen (auch) in der Literatur unterrepräsentiert, was möglicherweise negative Auswirkung auf die Qualität der Endprodukte haben kann, zweitens stoßen literarische Werke, die Frauen in ihrem Fokus haben, immer noch sehr häufig auf sarkastische Kritik – pejorativ wie die Bezeichnung „Ridikülliteratur“, als ob sie nur für Frauen bestimmt wären.
Wenn in irgendeinem Bereich Osteuropa noch viel aufzuholen hat, dann ist es mit Sicherheit die Toleranz gegenüber sozial schwächeren Gruppen wie Frauen, Behinderte, Homosexuelle, ethnische Minderheiten etc. Auch in der Literatur ist es nicht anders („Frauenliteratur bzw. Literatur von Frauen ist jene Literatur, die außerhalb des offiziellen Kanons ihren Ort hat.“).
Eine sehr schöne Zusammenfassung über die zeitgenössische ungarische Frauenliteratur – und eigentlich über die Stellung der »Frau« in der ungarischen Gesellschaft unserer Zeiten - ist von Noemi Kiss auf Deutsch erschienen. Zu weit brauchte sie in der Geschichte nicht zurückgehen: Erst vor ein paar Jahren ist »Frau« in den gesellschaftlichen Diskussionen in Ungarn aufgetaucht. Trotzdem sind mittlerweile zahlreiche Schriftstellerinnen in Ungarn tätig, wenn auch ihr internationaler Bekanntheitsgrad gegen Null tendiert.
Optimistisch stellt Kiss allerdings fest, dass sich „was tut“: In den letzten Jahren sind mehr literarische Werke von Frauen publiziert worden denn je zuvor. Wenn auch von diesen Schriftstellerinnen ein ganz anderer Ton ansprechen wird als von ihren Vorreiterinnen: Die ›neuen Frauen‹ sind subversiv, wenn man so will, gar provokativ. Obszöne Direktheiten sind für die neuere ungarische Frauenliteratur genauso charakteristisch wie tiefenpsychologische Ausleuchtungen. Dadurch verliert die weibliche Seele ihre Sensibilität - als ob die Verfasserinnen durch ihre gewählte Sprache herausprovozieren wollten, dass sie und ihre Werke von den Kritikern nicht verschont bleiben. Werden sie auch nicht…
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