„Czernowitz, auf dem halben Weg gelegen zwischen Kiew und Bukarest, Krakau und Odessa, war die heimlich Hauptstadt Europas, in der die Metzgertöchter Koloratur sangen und die Fiaker über Karl Kraus stritten. Wo die Bürgersteige mit Rosensträußen gefegt wurden und es mehr Buchhandlungen gab als Bäckereien. Czernowitz, das war ein immerwährender intellektueller Diskurs, der jeden Morgen eine neue ästhetische Theorie erfand, die am Abend schon wieder verworfen war. Wo die Hunde die Namen olympischer Götter trugen und die Hühner Hölderlin-Verse in den Boden kratzten.“ – so Shantel über Czernowitz, einst Hauptstadt des k.u.k. Kronlands Bucovina, heute beinahe eine vergessene Stadt. Attitüde einer Region, die viele für besonders reizvoll halten. Als Einstimmung und zur Reisevorbereitung empfehle ich den essayistischen Text Chernovitz [group trip east] von Noémi Kiss, dessen erster Teil auf Hungarian Literature online erschienen ist. Kiss weist in ihrem Reisetext auf die schiere Hoffnungslosigkeit historischer Schichtungsversuche hinund fragt nach der Geburtsstunde des Bucovina-Mythos. Sehr lesenswert!

The center of the world lies in the direction of Bukovina, about midway; south of Galicia, east of Máramaros, and northwest of Moldavia rests a point beside the Tisza River.A straight road leads us there. If we approach through the Sub-Carpathian valleys and gorges, then it’s not far from the Aknaszlatina salt mines. We proceed by a road direct from Beregszász to Chernovitz. It’s doable by train in 17 hours, and in five to six by car or bus. We decide against the train, because it zigzags along just as history has zigzagged across the landscape, dividing the world into fortunate and unfortunate societies….

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