Ausland: Auf der Fidesz-Kundgebung am 23. Oktober war auch Wilfried Martens, ehem. Belgischer Ministerpräsident, anwesend und hielt eine Rede. Seine Worte: Der ungarische Wirrwarr sei wegen eines Menschen entstanden, der das Land in eine moralische und politische Krise geführt habe. Rasmussen, Chef der europäischen Sozialisten, fand, dass Martens mit seiner Rede versucht hätte, sich in die ungarischen innenpolitischen Angelegenheiten einzumischen…

Orbán ist unmittelbar nach den Feierlichkeiten in Budapest nach Straßburg gefahren, um dort auf der Gedenksitzung der Europäischen Volkspartei die EU aufzufordern, die Gyurcsány-Regierung nicht mehr zu unterstützen, weil diese eine verlogene, betrügerische Regierung sei, welche das moralische Erbe des Kommunismus noch immer hochhalten würde. (Im Lande löste seine Äußerung eine Lawine der Unzufriedenheit aus, weil seine Worte so interpretiert wurden, dass er die EU aufgefordert hätte, keine Fördermittel mehr aus dem Strukturfonds für Ungarn zu gewähren.)

Danach ist Orbán nach Berlin auf eine Veranstaltung der Adenauer-Stiftung gereist. Dort hat er auch Merkel getroffen. Über die Presse sendete er die Botschaft nach Hause, Gyurcsány solle zurückträten, weil er für die Krise verantwortlich sei. Von Merkel konnte Orbán keine Stellungnahme zu den Ereignissen in Ungarn herauspressen… Orbán traf auch Kohl in Frankfurt am Meer oder Berlin (habe untersch. Infos in der Presse gelesen), diesem Gespräch wurde aber Stillschweigen gewährt…

Inland: Der Bund der Landwirte (Fidesz-nah) plante mit Traktoren nach Budapest zu ziehen. Daraufhin lies Demszky (Budapester OB) überall Einfahrt-Verbotschilder für Traktoren aufhängen…

Heute ist der Jahrestag des Niederschlags der Revolution. Die Partei Fidesz rief ihre Sympathisanten zu einem Fackelzug auf, „zum Andenken an die Opfer der Revolution 1956 und des brutalen Polizeiangriffes 2006“. Ca. 50000 Menschen sind vom Haus des Terrors Richtung Heldenplatz marschiert. Die Organisatoren ließen keine Rechtsradikale mit Árpád-Flagge sich dem Fackelzug anschließen. Alles war sehr friedlich. Überraschend friedlich.

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