Frankreich wählt

Heute läuft in Frankreich der erste Wahlgang zur Präsidentschaftswahl. Es wird ein Kopf-an-Kopf Rennen geben, dass die Richtung für den zweiten Wahlgang am 6. Mai 2007 vorgeben wird. Die 12 Akteure haben in den letzten Monaten alles gegeben, um ihre Programme zu verkaufen. Die Prognosen gehen von drei Kandidaten aus, die es möglicherweise in die zweite Runde schaffen. Nicolas Sarkozy (Sarko), Ségolène Royal (Ségo) und Francois Bayrou (Bayrou). Sarko führt, wenn auch nur knapp, die Prognosen an. Je nachdem ob Ségo oder Bayrou in die zweite Runde kommt, wird dies bestimmend sein für das Endergebnis. Der eher farblose Bayrou hat seit März als lachender Dritter im engen Wahlkampf zwischen Ségo und Sarko erheblich an Sympathie in der Bevölkerung gewonnen. Insgesamt gibt es allerdings 12 Kandidaten mit zum Teil sehr interessanten Ansichten. Davon sind sechs eher dem linken Spektrum zuzuordnen, deren Wählerschaft sicherlich im zweiten Wahlgang Ségo als das kleinere Übel gegenüber Sarko bevorzugen würde.

Man darf gespannt sein, es ist ein wunderschöner Nachmittag, die Pariser verbinden den Gang ins Wahllokal mit einem Spaziergang. Alles scheint sehr gelassen, die Wahlbeteiligung ist nach meiner Beobachtung recht hoch, vor den Wahllokalen bilden sich zum Teil Schlangen. Im sonst eher behindertenunfreundlichen Paris wurden an den Wahllokalen Rampen für Rollstuhlfahrer aufgebaut.

Während in Deutschland Wahlwerbung im direkten Umkreis von Wahllokalen verboten ist, kann sich der noch unentschiedene Franzose im letzten Moment an den betreffenden Einrichtungen ein Gesicht aussuchen. Vor einigen Tagen gaben Statistiken an, dass 40% aller Franzosen noch unentschlossen seien. Die Kommunen haben vor zwei Wochen vor den Wahllokalen jeweils 12 Plakatträger aufgestellt auf denen jeder Kandidat werben kann. Natürlich sind Wahlplakate zumindest in Paris einem schnellen Wandel unterworfen. Das reicht von Slogans wie Sarko=Facho über optische Umgestaltungen bis hin zu politischen oder auch apolitischen Sprechblasen, die auf die Plakate gemalt werden. Deshalb wurden die Losungen von den jeweiligen Parteigängern immer wieder erneuert. Heute durfte ich beobachten wie jemand ein Ségo-Plakat bewacht hat.

Insgesamt erscheint die Bevölkerung seit einigen Monaten sehr politisiert, die Wahl ist eher auf Personen, denn auf Programme gerichtet. Wie bei Fußballmannschaften positioniert man sich zwischen Ségo, Sarko und Le Pen. Mal sehen was heute rauskommt, sicherlich wird es nicht ganz so überraschend wie bei der letzten Wahl, als es Le Pen unerwartet in den zweiten Wahlgang schaffte.

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